#157: „Dr. KI, bitte zur Zweitmeinung!“

Zehn Sekunden pro Bild – mehr Zeit hat ein Radiologe bei einem CT mit mehreren hundert Einzelaufnahmen oft nicht. Benedikt Schneider, Mitgründer und CEO der Floy GmbH, will genau da ansetzen. Seine KI untersucht CT- und MRT-Bilder nicht nur auf die Frage der Überweisung, sondern auch auf Auffälligkeiten, die für den Menschen kritisch sein können.

Floy ist heute in 250 bis 300 Radiologiepraxen in Deutschland und Europa im Einsatz und bietet sogenanntes „opportunistisches Screening“ an. Das heißt zum Beispiel: Ein Rücken-MRT wird wegen eines Bandscheibenvorfalls gemacht. Floy kann auf diesen Aufnahmen eine beginnende Osteoporose erkennen, die ein Radiologe mit bloßem Auge oft erst sieht, wenn es fast zu spät ist. Die KI warnt den Radiologen und der Patient kann früh eine Knochendichtemessung machen lassen. Eine Studie im Fachjournal Osteoporosis International zeigt laut Benedikt: Floy erkennt Osteoporose in 55 Prozent der Fälle, der Radiologe allein in 11 Prozent. Für ihn ist aber klar: „Der Mensch muss am Ende des Tages immer der Entscheidungsträger sein.“

Und wer zahlt? Floy ist aktuell eine Selbstzahlerleistung für Patient:innen, rund 47 Euro. Für die Praxen entstehen keine Vorabkosten für die Integration. Benedikt rechnet mit einer Erstattung eher in fünf bis zehn Jahren, zunächst über Pilotprojekte. Bleiben die wichtigen Fragen: Was passiert bei einem falsch-positiven Befund? Wer trägt die Verantwortung? Und kann ein Befund, nach dem niemand gefragt hat, unnötige Angst machen? Diese Folge zeigt, wie weit Floy heute schon ist und wo es noch hakt.