#156: Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein

Melis Bröcker managt 25 Menschen an drei Standorten einer dermatologischen Praxis in Köln, arbeitet täglich mit 20 bis 30 verschiedenen Programmen und ist eine der wenigen Nicht-Ärzt:innen im Doctolib Medical Expert Programm. Sie sagt: Die größte Digitalisierungshürde in Arztpraxen ist nicht die Technik selbst, sondern die Art, wie sie eingeführt wird.

Seitdem ihre Standorte auf digitales Praxismanagement setzen, klingelt das Telefon deutlich weniger, Termine werden selbstständig nachbesetzt und ein Prozess, der früher eine ganze Arbeitskraft gekostet hat, läuft heute im Hintergrund. Trotzdem sagt Melis rückblickend: Im Nachhinein hätte sie dem ganzen Prozess mehr Zeit gegeben und transparenter kommuniziert, was sich genau verändert. In unserem Gespräch verrät sie ihr Rezept für einen gelungenen Digitalisierungs-Rollout.

Außerdem räumt sie mit einem Mythos auf: Fake-Termine in MFA-Kalendern. Melis erklärt mit Blick auf ihren Praxisalltag, warum das Narrativ der „faulen MFA“ nicht nur falsch ist, sondern zeigt, wie wenig viele Praxisinhaber:innen den Alltag hinter dem Tresen wirklich verstehen. Das Hauptproblem aus ihrer Sicht: Eine wahnsinnig hohe Nachfrage steht einem viel geringeren Angebot gegenüber. Wie schafft man also eine bessere Versorgung mit so geringen Ressourcen? Melis‘ Credo lautet: „Jeder Klick weniger hilft uns, mehr Zeit für unsere Patienten zu haben.“