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50 % des Arztberufs bestehen aus Dokumentation statt aus Medizin. Dr. Ira Stoll hat das als Urologin am eigenen Leib erlebt. Überstunden – und zwar nicht im OP oder am Patientenbett, sondern Arztbriefe tippen vor dem PC. Irgendwann gab sie ihren sicheren Klinikjob auf und gründete gemeinsam mit ihrem Mann, einem Softwareentwickler, myScribe: eine KI, die den Arztbrief von 45 auf 15 Minuten drückt.
Doch das eigentliche Problem liegt viel tiefer. In deutschen Kliniken ist Schatten-KI längst Alltag: Ärztinnen und Ärzte fotografieren Patientendaten mit dem Privathandy und lassen sich von ChatGPT den Arztbrief schreiben. Geschäftsführung und Chefärzte wissen meist Bescheid, greifen aber nicht ein, weil die Briefe besser geworden sind. Datenschutz wird dabei vollständig ignoriert.
Dr. Stoll berichtet, warum die Daten in den Kliniken so schlecht strukturiert sind, dass jede KI-Lösung daran scheitert. Warum Kliniken sich teure GPUs kaufen, damit Patientendaten das Haus nicht verlassen, obwohl Cloudlösungen nicht per se unsicher sind. Und warum der Arztbrief das letzte Statussymbol der Klinik ist: In drei Kliniken im selben Fach hat sie drei komplett verschiedene Epikrisen-Stile gelernt. Medizin ist eben häufig nicht evidenz-, sondern eminenzbasiert.