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Das Digitale Versorgung-Gesetz (DVG)

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Wieso brauchen E-Health-Unternehmen unbedingt eine Kommunikationsstrategie?

Sobald die Zertifizierung des BfArM abgeschlossen ist, kann eine DiGA im ersten Gesundheitsmarkt von jedem niedergelassenen Arzt und im Entlass-Prozess im Krankenhaus verschrieben werden. Die DiGA hat dann ein Jahr Zeit, um zu beweisen, dass sie einen Mehrwert für den Patienten bietet. Sobald dieses Jahr beginnt, muss das Start-up bestmöglich vorbereitet sein. Das Investment muss stehen. Die Ärzte haben im besten Fall schon von dem Produkt gehört. Die entsprechenden Ärzteverbände kennen die Anwendung und bewerten sie als hilfreich. Der Patient weiß um den persönlichen Vorteil, den er durch die Health-App haben kann und fragt aktiv bei seinem Hausarzt oder Facharzt danach.

All das kann nur mit einer durchdachten Kommunikationsstrategie erreicht werden! Betreiben Sie aktive Kommunikations- und Pressearbeit! Kommunikation ist der Schlüssel zu einer guten Reputation, höherer Bekanntheit und Vertrauen. Die kommunikativen Botschaften, die Sie mittels verschiedener Kanäle versenden, legen den Grundstein für die Marktdurchdringung und schaffen die notwendige Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit, um sowohl Ärzte als auch Patienten zu erreichen.

Eine gute Reputation ist nichts, was sich ein Gesundheitsunternehmen selbst geben kann. Um Ärzte zu erreichen und ihnen klar zu machen, wieso die DiGA einen echten Mehrwert bietet, braucht es unabhängige Leit- und Fachmedien, die in der Branche bereits ein hohes Ansehen genießen. Mit TV-Formaten und großen Konsumentenmedien wiederum können Sie eine Vielzahl an Patienten und potenziellen Kunden erreichen.

Die Marketing-Strategie und die PR-Maßnahmen können den Grundstein dafür legen, dass das erste Jahr in der Regelversorgung ein Erfolg wird. Eines ist klar: Unternehmen, die sich jetzt nicht umfassend vorbereiten, werden vom Einzug in den ersten Gesundheitsmarkt nur marginal profitieren können.

Das Team von The Medical Network

Was sollten E-Health-Unternehmen bei der Pressearbeit beachten?

Sieben Tipps für Ihre DVG-Kommunikation

 

Tipp 1: Keine PR-Arbeit ohne Strategie!

Bei der Planung und Umsetzung der strategischen Kommunikation gilt es drei grundsätzliche Schritte zu beachten:

Die Kommunikationsstrategie

Das Entwickeln einer durchdachten Kommunikationsstrategie ist eine der Königsdisziplinen in der PR-Welt. Sie beinhaltet mindestens die folgenden Bestanteile: Markt und Wettbewerbsanalyse, SWOT-Analyse, Ist- und Soll-Analyse, Kommunikative Ziele, Kernbotschaften, Zielgruppen, PR-Maßnahmen und Erfolgskontrolle. Das klingt nach viel Recherchearbeit und Gehirnschmalz – das ist es auch. The Medical Network unterstützt Sie gerne.

Adaption an den Arbeitsalltag

Alles, was in der Kommunikationsstrategie erarbeitet wurde, sollte an die Möglichkeiten des Unternehmens sowie seine finanziellen, zeitlichen und personellen Ressourcen angepasst werden. Darüber hinaus müssen alle relevanten Informationen intern weitergegeben und Zuständigkeiten aufgeteilt werden. Nur so kann eine einheitliche Kommunikation über Abteilungen hinweg gesichert werden.

Mit Medien in den Dialog treten

Die direkte Ansprache der Journalisten sollte tatsächlich erst als letzter Step erfolgen. Denn die Erfahrung hat gezeigt: Es ist wesentlich zielführender zuvor eine Strategie aufgebaut zu haben, anstatt hinterher festzustellen, dass das Wording und die Botschaften nicht einheitlich sind und kein klares Ziel verfolgt wird. Diese Fehltritte im Nachgang zu korrigieren, ist zudem um einiges zeitintensiver. Besser also: sich von Beginn an eine strukturierte Vorgehensweise mit konkreten Zielen überlegen!

 

Tipp 2: Kennen Sie Ihre Zielgruppen und deren Bedürfnisse!

Es liegt nahe, dass Ärzte für die Kommunikationsarbeit von DiGAs eine zentrale Zielgruppe darstellen. Erfahrungsgemäß interessieren diese sich am meisten für den Aspekt, wie wirksam das Produkt oder die Dienstleistung tatsächlich ist. Hier ist also der Evidenznachweis entscheidend, der über wissenschaftliche Studien erbracht werden sollte. Ein weiteres Thema mit hoher Relevanz ist für Ärzte die Sicherheit der Daten. Auf den Datenschutz sollte also in der Kommunikation explizit eingegangen werden. Auch die Alltagstauglichkeit für die Praxis beziehungsweise den Patienten ist letztendlich für medizinisches Personal ein entscheidendes Kriterium, ob sie eine Health-App weiterempfehlen möchten oder nicht. Schließlich fehlt es ihnen meist an Zeit, sich ausführlich mit einer komplizierten Anwendung auseinanderzusetzen.

Zweifelsohne vertrauen viele Patienten voll und ganz auf das Urteil ihres Hausarztes. Dennoch sollte der Fokus der Kommunikationsarbeit nicht ausschließlich auf der Ansprache der Ärzte liegen. Patienten sind ebenso treibende Kraft und entscheiden letztendlich selbst, welche Produkte sie dauerhaft nutzen möchten. Daher sollte auch ihnen das Besondere der Anwendung vermittelt werden (B2C-Kommunikation). Dafür eignen sich verschiedene Kommunikationskanäle von TV-Sendungen über Publikumszeitschriften bis hin zu Social Media.

Weitere Zielgruppen, die es zu berücksichtigen gilt, sind Krankenkassen und Investoren. Krankenkassen sind im E-Health-Bereich gleichermaßen Player und Payer. Daher ist es besonders wichtig, den Markt gut zu kennen: Welche Wettbewerber gibt es? Wie grenzt sich das eigene Produkt von dem der anderen ab? Diese Kernfrage ist auch in der Kommunikation mit Investoren entscheidend: Der USP (Unique Selling Point) muss eindeutig herausgearbeitet werden und sich in allen Kommunikationskanälen und Materialien einheitlich wiederfinden.

 

Tipp 3: Seien Sie präsent – nicht nur in den Medien!

Durch Positionierungen in bekannten Leit- und Fachmedien erreichen Sie schnell eine hohe Reichweite, das macht die PR-Arbeit so wertvoll. Hilfreich kann jedoch auch die Zusammenarbeit mit Fachverbänden sein, die ebenfalls Empfehlungen für DiGAs aussprechen. Durch aktive Vernetzung, beispielsweise über LinkedIn oder Xing, und den direkten Austausch auf Konferenzen oder Messen mit wichtigen Steakholdern, machen Sie sich in Ihrem Spezialgebiet einen Namen.

Tipp 4: Produzieren Sie relevanten Content!

Die Content Pyramide bietet eine gute Orientierung für die Kommunikationsarbeit.

Content-Pyramide
Quelle: The Medical Network

 

Was hier unter „Hygiene“ zusammengefasst wird, bildet das „Grundrauschen“ in der Berichterstattung. Hierfür sollte kontinuierlich Content produziert werden, der für Leser und Consumer nützlich ist und einen Mehrwert bietet, wie beispielsweise Cases oder Tutorials. Weiterhin sollten Sie eine reaktive Pressestelle einrichten, um Journalistenanfragen schnell und zentral händeln zu können. Diese sollte auch auf der Homepage ersichtlich sein, möglichst in einem separaten Pressebereich.

Als „Hub“ werden alle Beiträge bezeichnet, die über das Grundrauschen hinausgehen. Beispiele wären eine ausführliche Podcast Folge oder ein gut recherchierter Gastbeitrag eines Arztes. Sehr hilfreich ist es des Weiteren, News Jacking zu betreiben; sprich, sich zu informieren, welche Themen aktuell anstehen und wozu man beispielsweise in Form eines Statements etwas beitragen kann. Performance Marketing kann eine sinnvolle Ergänzung zu den Platzierungen in Fachmedien sein.

„Hero“-Content sind herausragende und hervorstechende Inhalte, die viral gehen und die Marke insgesamt stabilisieren. Dies kann beispielsweise ein besonderes Eventformat oder eine Guerilla Kampagne sein. Solche Maßnahmen sind aber erst dann sinnvoll und entfalten ihre Wirkung, wenn man im Bereich „Hygiene“ aktiv und gut aufgestellt ist.

Tipp 5: Überlegen Sie sich, wie der perfekte Artikel über Ihre DiGA aussieht und bieten Sie Storys an!

Welche Information über Ihr Produkt sollte jeder Leser und potenzieller Anwender kennen? Woran soll sich der Journalist nach einem Gespräch über Ihr Produkt erinnern? Diese Kernbotschaft gilt es ganz klar herauszuarbeiten und immer wieder gezielt in den verschiedenen Kanälen einzusetzen. Denken Sie dabei auch an die Geschichten, die Sie erzählen können: Lebhafte Szenarien und Anwendungsbeispiele mit Protagonisten sind oft einprägsamer und spannender als eine bloße Aneinanderreihung von Fakten.

 

Tipp 6: Kennen Sie Ihre Zielmedien und die Bedürfnisse der Journalisten!

Bei größeren Neuigkeiten bietet es sich manchmal an, Themen exklusiv an ausgewählte Medien weiterzugeben. Um hierbei zu entscheiden, welches Medium am geeignetsten ist, ist es wichtig, sich mit dessen Inhalten vertraut zu machen. Schauen Sie also öfter tatsächlich mal in Fachzeitschriften & Co rein – das kann sich doppelt lohnen, wenn Sie dann zusätzlich erfahren, welche Themen und Debatten gerade aktuell sind und wo es für Sie vielleicht spannende Anknüpfungspunkte gibt.

Auch bei der Auswahl des Journalisten sollten Sie aufmerksam sein. Ist das überhaupt ein Thema, was für genau diesen Redakteur interessant sein könnte? Ein wenig Recherche lohnt sich: Vielleicht gibt es bereits einen ähnlichen Artikel und der Verfasser freut sich über neue oder ergänzende Informationen für ein Follow-up.  

Ganz allgemein hilft bei der Pressearbeit auch ein Verständnis dafür, wie Journalisten arbeiten, ungemein. Viele Fachzeitschriften beispielsweise erscheinen nur alle zwei oder drei Monate und haben entsprechend lange Vorlaufszeiten. Informieren Sie sich also gut über Ihre Zielmedien, damit Sie den Redakteur nicht völlig gestresst kurz vor Redaktionsschluss erreichen.

Worauf Redaktionen ebenfalls allergisch reagieren, ist „Werbe-Sprech“. Sie sollten sich daher in der Kommunikation immer an die Fakten halten und nichts beschönigen oder versprechen, was das Produkt nicht einhalten kann. Das sieht übrigens auch das Heilmittelwerbegesetz vor.

 

Tipp 7: Haben Sie Geduld – oder holen Sie sich Hilfe!

Aktive Medienarbeit nimmt viel Zeit in Anspruch und verlangt Ihnen einiges an Geduld ab – doch wenn sich die Hartnäckigkeit auszahlt, wird Ihre Freude über einen platzierten Artikel umso größer sein. Lassen Sie sich nicht entmutigen, bleiben Sie am Ball oder holen Sie sich Unterstützung von externen Kommunikationsexperten. The Medical Network lässt Ihnen gerne ein unverbindliches Angebot zukommen – kontaktieren Sie uns!

Status Quo – Wie Start-ups und Versicherungen sich heute finden

Bisher hatten es digitale Gesundheitsanwendungen schwer auf dem deutschen Markt. Das will Gesundheitsminister Jens Spahn mit dem Digitale Versorgung-Gesetz (DVG) nun ändern. Am 7. November verabschiedete der Bundestag das DVG und legte damit den offiziellen Grundstein für die Digitalisierung im ersten Gesundheitsmarkt.

Start-ups waren bis zu Spahns Vorstoß gezwungen, sich im Vertrieb auf Pilotprojekte oder Selektivverträge mit einzelnen Krankenkassen zu beschränken. Die Verhandlungen mit den Krankenkassen verliefen mühsam und teils sehr langwierig. Selbst wenn am Ende der Gespräche ein Vertrag zustande kam, stand das Produkt lediglich den Patienten einer ganz bestimmten Krankenkasse zur Verfügung. Und die Patienten hatten zumeist keinen Überblick darüber, welche Health-Apps ihre Krankenkasse aktuell bezuschusst oder erstattet.

Diese Praxis führt dazu, dass Health-Start-ups ihre Ressourcen sehr stark auf diese Art von Vertrieb konzentrieren. Was würde passieren, wenn hier auf einmal Kapazitäten frei wären? Junge Unternehmen aus der digitalen Gesundheitsbranche könnten ihre strategische Positionierung vorantreiben. Sie hätten vielleicht sogar die Zeit und das Geld, Patienten über ihren Service zu informieren. Und was ist mit den Krankenkassen? Krankenkassen hätten nicht länger den massiven Aufwand, Start-ups zu qualifizieren und Selektivverträge mit Einzelnen aufzusetzen.

Aufbruchstimmung und Innovationsdruck in der Gesundheitsbranche

Man hört es aus allen Ecken: Die digitale Gesundheitsbranche wächst rasant. Neue Ideen und innovative Gründer bringen Konzepte auf den Weg, die das Leben von Patienten nachhaltig verbessern. Täglich kommen großartige E-Health-Anwendungen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, Telemedizin, Diagnostik, Virtual Reality und Plattformen auf den Markt. Diese Aufbruchstimmung führt dazu, dass es zahlreiche Konkurrenzprodukte auf dem Gesundheitsmarkt gibt. Abgesehen von wenigen etablierten Unternehmen wie Ada Health, Tinnitracks, Clue und Selfapy schaffen es nur die Wenigstens, wirklich Bekanntheit bei ihrer Zielgruppe zu erlangen. Es ist zu viel los auf dem digitalen Gesundheitsmarkt: Der Patient verliert den Überblick. Ärzte schlagen oft lieber die Hände vor das Gesicht, als sich selbst auf den Weg zu machen, die Qualität der Angebote zu bewerten. Das war auch der Tenor des ersten Praxisevents rund um das DVG in Hamburg am 17. Oktober 2019. Entwickler von Gesundheitsapps haben nach wie vor Schwierigkeiten ihren USP klar beim Patienten zu kommunizieren. Im Austausch mit Ärzten fehlt eine klare Kommunikationsstrategie.

Das Digitale Versorgung-Gesetz (DVG): Schöne neue Welt?

Da kommt das Digitale Versorgung-Gesetz. Digitale Lösungen werden 2020 per Gesetz implementiert und die dafür notwendige Infrastruktur ausgebaut. Der Gesundheitsminister möchte digitale Gesundheitsanwendungen so schnell in die Regelversorgung bringen. Jeder Patient, unabhängig von seiner Krankenkasse und seinem eigenen Wissensvorsprung, wird von der App auf Rezept profitieren können. Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken müssen bis 2021 an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sein. Diese gesetzlichen Veränderungen machen den Weg für die elektronische Patientenakte und die Telemedizin frei.

Am 15. Mai 2019 wurde der Referentenentwurf veröffentlicht, die erste Anhörung im Bundestag fand im Juni statt. Am 10. Juli hat das Bundeskabinett den Entwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beschlossen – ein Meilenstein der Gesundheitspolitik! Am 7. November hat der Bundestag das Gesetz beschlossen, der Gang durch den Bundesrat erscheint als Formsache. Das bedeutet für alle digitalen Gesundheitsanwendungen (kurz DiGAs), die in die Regelversorgung wollen, dass es im ersten Quartal 2020 ernst wird.

Welche Health-Apps könnten auf Rezept verschrieben werden?

Eine DiGA, die als App auf Rezept verschrieben werden soll, muss zu aller erst den Richtlinien eines Medizinprodukts entsprechen.Um überhaupt geprüft werden zu können, müssen die Unternehmen hierfür die relativ aufwendige CE-Zertifizierung bewerkstelligen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über die Voraussetzung der CE-Zertifizierung hinaus Orientierungshilfen. Danach muss eine DiGA, die als Medizinprodukt deklariert werden möchte, mindestens einen der folgenden Zwecke erfüllen:

  • Erkennung, Verhütung, Überwachung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten,
  • Erkennung, Überwachung, Behandlung, Linderung oder Kompensierung von Verletzungen oder Behinderungen,
  • Untersuchung, Ersetzung oder Veränderung des anatomischen Aufbaus oder eines physiologischen Vorgangs,
  • Empfängnisregelung.

Die folgenden Funktionen können einen Anhaltspunkt dafür liefern, ob es sich bei der Health-App um ein Medizinprodukt handelt, können beispielsweise Folgende sein:

  • Entscheidungsunterstützung oder selbständiges Entscheiden, z. B. bzgl. therapeutischer Maßnahmen
  • Berechnung z. B. von Medikamentendosierungen (im Gegensatz zur reinen Wiedergabe einer Tabelle, aus der sich der Anwender die Dosierung selbst ableitet)
  • Überwachung eines Patienten und Datensammlung, z. B. durch Messwerterfassung, sofern die Ergebnisse Diagnose oder Therapie beeinflussen

Soweit so gut, allerdings gelten diese Chancen nur für Medizinprodukte der Klasse I und IIa – also DiGAs, die potenziell nicht gefährlich für den Patienten werden können. Auch wichtig: Selbst wenn ein Gründer sein Start-up in der Vergangenheit als Medizinprodukt zugelassen hat, muss er jetzt diesen Prozess erneut durchlaufen – nur dann wird das Start-up mit seinem Produkt in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen!

Ab Mai 2020 gilt dafür uneingeschränkt die EU-Medizinprodukteverordnung (MDR). Bei genauem Blick fällt auf, dass im Prinzip alle Apps in die Risikoklasse IIa fallen. Während Medizinprodukte der Klasse I nur eine Selbstzertifizierung erfordern, braucht es für die Klasse II externe Zertifizierungen!

Was muss beachtet werden, um die Prüfung vom BfArM zu bestehen?

Wichtig für den Anbieter der E-Health-Software ist im ersten Schritt, konsistent in der gesamten Kommunikation zu sein. Das heißt im Klartext, der Zweck des Produkts muss immer einheitlich beschrieben werden. Das BfArM nutzt alle Texte und Quellen, die über die entsprechende DiGA vorliegen! Deshalb sollten Unternehmen niemals unterschiedliche Zwecke des Produkts in verschiedenen Zusammenhängen angeben. Wenn also auf der Webseite davon gesprochen wird, dass die App bei der Überwachung von Diabetes mellitus hilft, muss das genau so auch in den Vertriebsunterlagen, Medienberichten und dem Investorpitch zu finden sein.

Darüber hinaus kann es Sinn ergeben, sich Hilfe bei der Zertifizierung zu holen. Das BfArm prüft nämlich neben Anforderungen an die Sicherheit, Funktionstauglichkeit und Qualität auch die Unbedenklichkeit. Als kleines Start-up ist es unter Umständen sehr schwierig, den harten Kriterien des BfArM im Alleingang gerecht zu werden. Für Unterstützung ist der Bundesverband Internetmedizin ein guter erster Ansprechpartner, ebenso wie die Plattform HealthOn.

Was passiert, wenn die DiGA eines Start-ups als Medizinprodukt definiert wurde?

Aktuell geht das BfArM davon aus, einen Software-Anbieter innerhalb von drei Monaten prüfen zu können und als Medizinprodukt zu zertifizieren. Hier gibt es allerdings einen großen Knackpunkt: Das BfArM prüft nicht nur das Produkt im Hinblick auf die grundsätzliche Übereinstimmung mit den Kriterien eines Medizinprodukts. Es prüft auch, ob der medizinische Nutzen der Anwendung nachweisbar ist. Das Unternehmen muss in diesem Zusammenhang einen validen positiven Versorgungseffekt nachweisen oder eine Verfahrens- und Strukturverbesserung. Aktuell gehen die Experten davon aus, dass damit ein medizinischer Nutzen im Zusammenhang mit der therapeutischen Verbesserung gemeint ist.

Also stellt sich den erstattungsfähigen DiGAs die Frage: Lässt sich durch die Anwendung eine therapeutische Verbesserung sowie eine Verfahrens- und Strukturverbesserung in der Versorgung beweisen? An dieser Stelle wird es besonders für junge Unternehmen ohne große Investitionsmittel schwierig, denn viele können ihren medizinischen Nutzen nicht evidenzbasiert nachweisen.

Hierfür bietet der Gesetzesentwurf eine sehr zielorientierte Lösung: DiGAs, die ihren medizinischen Nutzen noch nicht nachweisen können, werden trotzdem für ein Jahr zugelassen, wenn alle Produktspezifika einem Medizinprodukt entsprechen. Das bedeutet, dass die Anwendung ein ganzes Jahr von allen Krankenkassen bezahlt wird und jeder niedergelassene Arzt die App verschreiben kann. Innerhalb von diesem Jahr muss das Unternehmen allerdings einen evidenzbasierten Nachweis für den medizinischen Nutzen erbringen. Noch ist nicht klar, wie genau diese Erbringung aussehen muss. Aktuell weiß man nur, dass die Qualitätskriterien nicht ganz so hoch ausfallen werden, wie es bei Arzneimitteln üblich ist.

Alle DiGAs, die im Verzeichnis stehen, dürfen im ersten Jahr selbst einen Preis für ihr Produkt festlegen (tatsächlicher Herstellerpreis). Danach verhandelt der Anbieter der Software den Preis mit dem GKV-Spitzenverband. Hier wird der Evidenznachweis maßgeblich den Preis bestimmen, den der Anbieter erzielen kann. So viel ist klar!

Was für Konsequenzen hat das Digitale Versorgung-Gesetz (DVG) für Health-Unternehmen?

Quasi über Nacht erschließen DiGAs, die sich als Medizinprodukt zertifizieren lassen können, den ersten Gesundheitsmarkt – ein enormer Schritt!

Das wissen auch Investoren, etablierte Akteure im Gesundheitsmarkt und ausländische Software-Anbieter. Alle machen sich bereit und gehen in die Startlöcher. E-Health-Unternehmen sollten aus diesem Grund die nächsten Schritte wohlüberlegt planen. Denn wenn die DiGA mit der Zertifizierung in das Verzeichnis für verschreibbare Apps aufgenommen wurde, steigt das Tempo deutlich. Der Wettbewerb nimmt zu und es geht um sehr viel Geld! Viele Unternehmen gehen deshalb den Weg, vor der Aufnahme in das Verzeichnis am Thema Evidenznachweis und Kommunikationsstrategie zu arbeiten.

Welche Möglichkeiten hat eine DiGA, tatsächlich den Weg zum Patienten zu finden?

Nur weil man im Verzeichnis gelistet ist, verschreibt noch kein Arzt die Anwendung. Es gilt, den Patienten, den Arzt, die Ärzteverbände und die breite Öffentlichkeit über sein Produkt zu informieren. Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung gewinnen an Relevanz. Die Einschätzung von Fachmedien und Verbänden kann darüber entscheiden, ob ein Arzt die DiGA tatsächlich verschreibt. Die direkte Ansprache von niedergelassenen Ärzten ist nicht länger eine Option, wenn es Unmengen von Anwendungen gibt, die sich an die Ärzte wenden wollen. Stattdessen müssen innovativere und smartere Wege der Ansprache gefunden werden. Und da es für die meisten Unternehmen darum gehen wird, ihre Evidenz im ersten Jahr mit maximalem Erfolg nachzuweisen, ist es umso wichtiger, schnell eine signifikante Nutzerzahl zu gewinnen.

Welche Unterstützung gibt es für Start-ups im Gesetz?

Neben der sogenannten „App auf Rezept“ beinhaltet das DVG auch einen Zusatz darüber, dass Krankenkassen einen Teil ihrer Rücklagen zur Finanzierung von Start-ups heranziehen dürfen. Das bedeutet im Klartext: Die großen Krankenversicherer werden zu Geldgebern und potenziellen Investoren. Diese Innovationsförderung durch Krankenkassen unterliegt allerdings besonderen Auflagen: So dürfen die Kassen maximal 2 Prozent ihrer Reserven aufwenden und es bedarf einer fachlich-inhaltlichen Kooperation zwischen Kasse und Start-up. Digitale Gesundheitsunternehmen müssen deshalb schnell und mit optimierter Kommunikation auf Krankenkassen zugehen.

Welche Kritik gibt es aktuell von den Interessenverbänden?

Vertreter der Krankenkassen, wie zum Beispiel der AOK-Bundesverband, sehen es sehr kritisch, dass im ersten Jahr Apps ohne den Nutzennachweis verschrieben werden können. In diesem Kontext merkt auch die Bundesärztekammer in ihrer Stellungnahme an, dass die ärztliche Expertise bei einem Verzeichnis für erstattungsfähige Apps einbezogen werden muss. Der Bundesverband Gesundheits-IT geht ebenfalls auf den Aspekt der Rahmenbedingungen ein: Diese müssten massiv verbessert werden, um sicherzustellen, dass die Anforderungen zur Zertifizierung realistisch für Health-Start-ups sind. Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist die Stellungnahme des Deutschen Hausärzteverbandes: Ärzte beziehungsweise die entsprechenden Fachverbände müssen eng in den Prozess einbezogen werden, um die Versorgungsrealitäten zu berücksichtigen. Das verstehen mittlerweile auch die Entwickler der DiGas – Sie gehen in den persönlichen und öffentlichen Diskurs mit den für sie relevanten Fachgruppen.